Das Internationale Institut für Genossenschaftsforschung im Alpenraum veranstaltet am Freitag, den 10. November 2017 im Hotel Hilton in Innsbruck die 21. IGA-Tagung. Thema: "Brauchen wir noch Genossenschaften?"  mehr

2006: Internationalisierung der Märkte - Angriff oder Rückzug der Genossenschaften?

Internationalisierung der Märkte – Angriff oder Rückzug der Genossenschaften?

Unter diesem Generalthema stand die 11. Tagung des Internationalen Instituts für Genossenschaftsforschung im Alpenraum, die am 17. November 2006 in Grainau bei Garmisch stattfand. In Zeiten, in denen regional tätige Genossenschaften ihr Aktivitäten auf den internationalen Märkten zunehmend verstärken, drängt sich unwillkürlich die Frage auf, welche zukünftige Strategien Genossenschaften diesbezüglich verfolgen sollen.

Dass diese Themenstellung von großer Aktualität ist, wurde auch vom ersten Referenten dieser Tagung, Herrn Univ.Prof. Dr. Peter Welzel ausdrücklich festgehalten. In seinem Referat über „Regionale Wurzeln als Stärke im weltweiten Wettbewerb“ stellt sich der Referent die Frage, ob die regionalen Wurzeln eher ein „Klotz am Bein“ oder ein „legales Doping“ sind, wobei er sich im Ergebnis nach eingehender Darlegung seiner Gründe der zweiten Ansicht anschloss. Er verschwieg aber in seinem Referat nicht, dass sich aus einer regionalen dezentralen Struktur im Zusammenhang mit der Internationalisierung auch Nachteile ergeben können. Trotzdem fordert er die Genossenschaften auf, der Globalisierung offensiv gegenüber zu treten.

Der Präsident des Bayerischen Genossenschaftsverbandes, Dipl.Kfm. Stephan Götzl hinterfragte in seinem Referat „Heute schon an Übermorgen denken“ kritisch die derzeit immer häufiger feststellbare Situation der grenzüberschreitenden Konkurrenzierung durch Genossenschaften, die seiner Meinung nach durch verstärkte Kooperation und internationale Netzwerkbildung ersetzt werden sollte. In diesem Zusammenhang dürfen auch Überlegungen von grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen in der Zukunft kein Tabu-Thema sein.

Der Generaldirektor der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien, Mag. Erwin Hameseder, zeigt in seinem Referat „Beteiligungen und Genossenschaft – regionale und globale Märkte“ überzeugend auf, wie sich Genossenschaften trotz demokratischer Führung auf internationalen Märkten auch zum Wohl ihrer eigenen Mitglieder strategisch bewegen können. In bestimmten Bereichen ist das „Mitspielen“ am internationalen Markt sogar ein wichtiges Element, um die Grundabsicherung der Mitglieder auf Dauer absichern zu können.

In der darauf folgenden Diskussion, die unter der Moderation von Dr. Jürgen Gros stattfand, wurde sichtbar, dass die Bejahung der internationalen Ausrichtung regionaler Genossenschaften nicht undifferenziert erfogt und es durchaus auch Stimmen gibt, die in dieser Entwicklung Gefahren für die genossenschaftliche Ausrichtung eines Unternehmens sehen. Wo allerdings die Grenzen zu ziehen sind, konnte auch in dieser Diskussion nicht endgültig herausgearbeitet werden und wird wohl in den nächsten Jahren noch zu zahlreichen Diskussionen führen.

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