Das Internationale Institut für Genossenschaftsforschung im Alpenraum veranstaltet am Freitag, den 8. November 2019, im AC Hotel Marriott Innsbruck (vormals Hotel Hilton) die 23. IGA-Tagung. Thema: "Regionale Nähe in der digitalen Welt - geht das?"  mehr

23. IGA-Tagung 8.11.2019

Das Internationale Institut für Genossenschaftsforschung im Alpenraum veranstaltet am Freitag, den 8. November 2019 im AC Hotel by Marriott, Salurnerstr. 15, Innsbruck die 23. IGA-Tagung.

Regionale Nähe in der digitalen Welt – geht das?
Die digitale Welt vernetzt Menschen rund um den Globus, Algorithmen ersetzen den persönlichen Kontakt. Genossenschaften können sich dem nicht entziehen, sie wollen aber zugleich nah beim Mitglied und beim Kunden bleiben. Die 23. IGA-Tagung in Innsbruck zeigte auf, wie dieser Spagat gelingen kann.

„Die Digitalisierung ist eine Herausforderung, der manche mit Skepsis und Angst, andere mit Mut entgegensehen. Wir wollen Denkanstöße liefern, wie Genossenschaften die Digitalisierung so gestalten können, dass sie für alle Nutzen stiftet“, so Arnulf Perkounigg, Vorstandsvorsitzender des IGA, zu Beginn der Jahrestagung, die der Frage nachging, ob regionale Nähe in der digitalen Welt funktionieren kann.

Der Multichannel-Ansatz im Fachhandel
„Was wäre die Digitalisierung ohne den Faktor Mensch?“, hielt Alfred Kapfer, Geschäftsführer der Elektrofachhändler-Genossenschaft Expert Österreich, der Eingangsfrage entgegen. Seine 165 Mitgliedsbetriebe beraten, installieren, reparieren und liefern nach Hause. „Fachliche Kompetenz, Service, Herzlichkeit und gute Stimmung sind dabei auch heute die Erfolgsrezepte“, so Kapfer. Ähnlich wie in der Bankbranche entscheide letztlich der Kunde über den Vertriebsweg – Filiale, online oder ein Mix aus beidem.
Expert hat darauf mit einer ausgeklügelten Multichannel-Strategie reagiert: Die einzelnen Händler vor Ort sind individuell im Internet präsent, können dabei aber im Hintergrund aus dem Angebot der Expert-Zentrale ihr individuelles Sortiment wählen. Die Zentrale kümmert sich auch um den Betrieb der Shops, Zahlungsabwicklung Buchhaltung und Kundenhotline. Was es bei einer solchen Lösung zu beachten gilt? „Erfolgreiches Multichanneling erfordert viel Hirnschmalz, umfangreiche Marketingaktivitäten und abgestimmtes Handeln aller Beteiligten. Das Wichtigste aber ist: Behandeln Sie Online-Kunden genauso wertschätzend wie stationäre Kunden!“, rät Kapfer.

Plattformen für Steuerberater und Landwirte
„Große Portale reißen die Wertschöpfung an sich und machen kleine Unternehmer zu reinen Zulieferern“, warnt Stefan Wunram, leitender Berater bei der Datev. Die erfolgreiche IT-Genossenschaft der Steuerberater aus Nürnberg geht daher im Internet einen völlig neuen Weg: Privatkunden, die keinen Steuerberater haben, können neuerdings ihre Steuererklärung auf einer eigenen Internetplattform der Datev abwickeln. Tritt die Genossenschaft damit in Konkurrenz zu den eigenen Mitgliedern? Nicht wirklich, meint Wunram: „Wir erschließen damit neue Zielgruppen, denen wir über die Plattform bei Bedarf einen unserer Steuerberater vermitteln können. Das sichert auch die Zukunftsfähigkeit unserer Mitglieder.“
Die Zukunft der regionalen landwirtschaftlichen Produktion möchte Therese Fiegl, die Gründerin der „Bauernkiste“, absichern. Ihre digitale Direktvermarktungsplattform bringt Kunden mit Bauern aus der Umgebung zusammen. Rund 60 Landwirte mit 400 Produkten sind auf der Plattform, die sich auch um Logistik und Verrechnung kümmert, bereits vertreten. Vom Angebot profitieren beide Seiten: Konsumenten bekommen frische Lebensmittel direkt vom Bauern nach Hause geliefert, und Landwirte erzielen bessere Preise für ihre hochwertigen Produkte. „Das Internet hilft uns, die Verwaltung schlank zu halten“, so Fiegl.

Regionalität als Erfolgsfaktor für Banken
Auch für Genossenschaftsbanken sei der Erhalt regionaler Nähe in der digitalen Welt der einzige Weg zum Erfolg, so Johannes Ortner, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen-Landesbank Tirol, bei der Tagung in Innsbruck. „Wir sollten nicht versuchen, die digitalen Riesen nachzuahmen, sondern auf unsere eigenen Stärken setzen: Kundennähe, persönliche Beziehung und Vertrauen“, so der Banker, der auch den emotionalen Aspekt des Geschäfts betont: Zugehörigkeit, Mitgestaltung und Sinnhaftigkeit des Tuns seien laut Gehirnforschern maßgeblich dafür, das Menschen sich wohlfühlen. Genau das biete die Genossenschaft.

Preise für junge Genossenschaftsforscher
Zum Abschluss der IGA-Tagung wurden heuer Preise für herausragende wissenschaftliche Arbeiten an zwei junge Forscher vergeben. Die Auszeichnungen gingen an Peter Suter für seine empirische Untersuchung des freiwilligen Engagements in Schweizer Wohnbaugenossenschaften und an Sana‘a Wittmann für ihre Arbeit zum Untergang der Bayerischen Raiffeisen Zentralbank im Jahr 1986 und zu den Lehren daraus.

© Internationales Institut für Genossenschaftsforschung im Alpenraum  Impressum
powered by webEdition CMS