Die 22. Tagung des Internationalen Instituts für Genossenschaftsforschung im Alpenraum hat am Donnerstag, den 15. November 2018 in der EURAC in Bozen stattgefunden. Thema: "Eine Idee als Kraft für die Zukunft" Ein Bericht folgt in Kürze mehr

22. IGA-Tagung 15.11.2018

Das Internationale Institut für Genossenschaftsforschung im Alpenraum veranstaltete am Donnerstag, den 15. November 2018 in der EURAC in BOZEN die 22. IGA-Tagung.

Anlässlich des 200. Geburtstages von Friedrich Wilhelm Raiffeisen wurde die 22. Jahrestagung vom IGA gemeinsam mit dem Raiffeisenverband Südtirol am 15. November 2018 als Jubiläumsveranstaltung in Bozen an der EURAC abgehalten. Als Generalthema haben die Veranstalter „Eine Idee als Kraft für die Zukunft“ gewählt. Eine große Teilnehmerzahl konnte sich an den Vorträgen hochkarätiger Referenten erfreuen. Wenn diese Veranstaltung natürlich auch Rückblicke auf die Entwicklung von Raiffeisengenossenschaften enthielt, war sie dennoch – wie dem Titel zu entnehmen war - schwerpunktmäßig auf die Zukunft ausgerichtet. Aus diesem Grund waren die Veranstalter hoch erfreut, dass sich auch die Schüler und Schülerinnen der 4. Klasse der landwirtschaftlichen Oberschule Auer unter den Teilnehmer befanden, liegt doch die Zukunft in den Händen der Jugendlichen.

Nach der Begrüßung durch den Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Südtirol, Dr. Paul Gasser, und den geschäftsführenden Vorsitzenden des IGA, Prof. Mag. Arnulf Perkounigg, eröffnete Mag. Johannes , Direktor des Revisionsverbandes Wien-Niederösterreich, den Vortragsteil mit seinem Referat „F.W. Raiffeisen 200 – Was bleibt wirklich von einer großen Idee?“. Große Bedeutung misst Leitner dabei der Freiheit bei. Freiheit, die dazu führt, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Freiheit die dazu führt, sich selbst einzubringen und zu engagieren. Freiheit, die sich am Wohl des Menschen ausrichten muss. Regeln dürfen dabei nur die Rahmenbedingungen vorgeben, diese Freiheit aber nicht torpedieren. Genossenschaften bieten sich schon allein mit ihrer Struktur als geeignete Unternehmens- bzw. Handlungsform an. Eine Unternehmensform, die jedoch an die Unternehmensführung große Anforderungen stellt, da sie – richtig verstanden – auch ethische Grundsätze (bei F.W. Raiffeisen damals ausschließlich christliche Grundsätze) zu berücksichtigen hat.

Der Historiker Hans Heiss zeigte in seinem Vortrag „Raiffeisens Idee als wirtschaftliche Entwicklungskraft im Rahmen der Landesgeschichte Tirols“ die enorme Bedeutung dieser Genossenschaftsidee auf dem Weg zum Wohlstand in Tirol und vor allem in Südtirol auf. Gerade der klein strukturierte ländliche Raum kam durch die gesellschaftlichen Umwälzungen Ende des 19. Jhdt. in einen katastrophalen Druck. Um diesem etwas entgegenzusetzen, stellte sich die genossenschaftliche Idee als Lösungsmöglichkeit dar, die auch entsprechend genutzt wurde. Durch die Teilung Tirols und den Anschluss Südtirols an Italien schien dieser Erfolg wiederum in Frage gestellt. Gerade in dieser Zeit zeigt sich aber nachhaltig, dass das Raiffeisen-Netzwerk als Grundsicherung von großer Bedeutung war. Während des zweiten Weltkrieges begann aber auch dieses zu zerbrechen. Doch zunächst noch knapp an der Katstrophe vorbeigeschrammt, gingen die Raiffeisengenossenschaften aus dem 2. Weltkrieg gestärkt hervor. Durch die Autonomie Südtirols 1972 erhielten sie zusätzlich einen Wachstumsschub. Die gewonnene Stärke zeigte sich erneut ganz besonders in der Stabilitätsfunktion während der im Jahr 2008 ausgelösten Bankenkrise. Heiss schloss mit der Aussage: „F.W. Raiffeisen wäre mit den Ergebnissen, die seine Anregungen im südlichen Tirol gezeitigt haben, gewiss nicht unzufrieden.“

Der nächste Beitrag von Dipl.Vw. Andreas Kappes, Leiter der Abteilung internationaler Beziehungen des DGRV und Generalsekretär der IRU, erinnerte stark an die Ausgangssituation der Genossenschaftsgründungen zur Zeit von F.W. Raiffeisen. Zeigte er doch unter dem Titel „Genossenschaftlichen Entwicklungsarbeit in der Tradition Raiffeisens“ ein Bild von Regionen auf, in denen Armut, Hunger, Ausbeutung, Verlust der eigenen wirtschaftlichen Existenz sowie mangelnde Möglichkeit der Partizipation (wirtschaftlich, politisch, sozial) auch heute noch weit verbreitet sind. Der DGRV sieht es als eine seiner Aufgaben an, diesen Entwicklungsländern, vorwiegend Afrika, Asien und Lateinamerika durch partnerschaftliche Entwicklungsarbeit zur Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung nachhaltig zu verhelfen. In diesem Zusammenhang kommt – so ist es zumindest vorgesehen - auch der Internationalen Raiffeisen Union (IRU) eine bedeutende Rolle zu, die übrigens 2018 ebenfalls ein Jubiläum feiern konnte, nämlich das 50. Bestandsjubiläum. Getragen wird diese partnerschaftliche Entwicklungshilfe von der Überzeugung, dass Nachhaltigkeit und Zukunft nur mit gemeinsamen Anstrengungen erreicht werden kann.

Im letzten Impulsreferat „Genossenschaften als innovative Kooperationen, moderne Netzwerke und zukunftsweisende Plattformen“ sprach Frau Univ.Prof. Dr. Theresia Theurl, geschäftsführende Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen an der Universität Münster, eine der wesentlichen Gründe für die erfolgreiche Entwicklung von Genossenschaften an. Genossenschaften, die durch ihre Eigenständigkeit, durch ihre Nähe und durch ihre Verwurzelung in der Region in einem Netzwerk mit anderen zusammenarbeiten, können große Projekte verwirklichen. Von ihrer Gründung an haben sie stets bewiesen, dass Genossenschaften gerade in Zeiten des Wandels stark sind. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass Arbeiten in Netzwerken auf Grund ihrer Komplexität große Herausforderungen an die Verantwortlichen stellen. Daher finden Genossenschaften gerade in der heutigen Zeit, die durch raschen Wandel gekennzeichnet ist, ein breites Arbeitsgebiet. Vom Netzwerk ist es nicht weit zu Plattformen, die uns heute schier überrollen zu drohen und auf die einzelnen Marktteilnehmer, so auch auf Genossenschaften, enormen Druck erzeugen. Im Sinne von F.W. Raiffeisen stellt sich dabei die Frage, warum denn nicht Genossenschaften selbst Plattformen gründen? Damit wären die Nutzer der Plattform gleichzeitig die Eigentümer und können somit die Wertschöpfung aus der Plattform selbst lukrieren. Eine Vorstellung, die ganz dem herkömmlichen Bild der Personenidentität bei Genossenschaften (Kunde = Eigentümer) entspricht.

In der anschließenden Podiums- und Publikumsdiskussion konnten die einzelnen Themenstellungen noch detaillierter erörtert, aber auch hinterfragt werden.

Der Tagungsband, in dem Sie die ganzen Referate und die Diskussionbeiträge nachlesen können, befindet sich in Ausarbeitung. Wenn Sie daran interessiert sind, können Sie diesen schon jetzt unter arnulf.perkounigg@chello.at anfordern. Wir werden Sie vormerken und Ihnen den Tagungsband nach Drucklegung zusenden.

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