Das Internationale Institut für Genossenschaftsforschung im Alpenraum veranstaltet am Freitag, den 10. November 2017 im Hotel Hilton in Innsbruck die 21. IGA-Tagung. Thema: "Brauchen wir noch Genossenschaften?"  mehr

14. IGA-Jahrestagung 2009

Die 14. IGA-Jahrestagung fand am 13. November 2009 in Grainau bei Garmisch-Partenkirchen statt.

Bei der 14. IGA-Tagung im November 2009 in der Akademie des GVB in Grainau bei Garmisch-Partenkirchen wurde die Frage der Wettbewerbsverzerrung einmal von einer ganz an-deren Seite beleuchtet, nämlich von der Seite des Beschaffungsmarktes. Diese Seite ist in den bisherigen Diskussionen nach Meinung des IGA-Präsidenten Arnulf Perkounigg zu Unrecht vernachlässigt worden. Wenn man aber auf den Absatzmärkten Wettbewerbsverzerrungen vermeiden will, muss auch auf den Beschaffungsmärkten dafür gesorgt werden, dass gleiche Ausgangsbedingungen herrschen und „naturgegebene“ Nachteile daher neutralisiert werden dürfen. Genossenschaften sind dabei durch ihren gesetzlichen Förderauftrag zusätzlich be-lastet und beim betriebswirtschaftlichen Unternehmensvergleich benachteiligt.
Univ.Prof. Dr. Peter Welzel von der Universität Augsburg steht diesen Forderungen aus allgemeiner volkswirtschaftlicher Sicht sehr kritisch gegenüber und kann kaum einen Hand-lungsbedarf entdecken, der besondere Anforderungen an die Wettbewerbspolitik für genos-senschaftliche Unternehmen rechtfertigt. Allfällige Wettbewerbsnachteile, die durch die ge-nossenschaftliche Ausrichtung von Unternehmen entstehen, müssen in Kauf genommen und den sonstigen Vorteilen genossenschaftlichen Handelns entgegengesetzt werden.
Hans Tremesberger, Geschäftsführer der Pinzgau Milch in Maishofen in Salzburg, nimmt in seinem pragmatischen Ansatz die zu Benachteiligungen führenden Voraussetzungen einer alpenländischen Milchwirtschaft (höhere Transportkosten, kleine Betriebsstrukturen udgl mehr) als Faktum hin und sieht die Chancen in den aus der alpenländischen Milchwirtschaft auch abzuleitenden Unterscheidungsmöglichkeiten (zB naturbezogene Urproduktion, besondere Kundenpflege). Den Genossenschaften verbleibt in diesem Umfeld nur die Möglichkeit, anstatt durch Kostenführerschaft am Markt durch Qualitätsführerschaft zu bestehen. Sehr wohl sieht er die Forderung auf Ausgleich der Wettbewerbsnachteile zB im Bereich der Milcherfassung als gerechtfertigt an, wenn man eine flächendeckende Grünlandbewirtschaftung bejaht.
Erhard Gschrey, stv. Vorstandsvorsitzender des Bayrischen Genossenschaftsverbandes, behandelt diese Thema aus der Sicht der Kreditwirtschaft, wo gerade die Unterstützungeleistun-gen der öffentlichen Hand zur Bewältigung der aktuellen Finanzmarktkrise zu nicht unwesentlichen Wettbewerbsverzerrungen geführt haben. Das Geschäftsmodell der lokal ausgerichteten Geschäftstätigkeit der Kreditgenossenschaften hat als Stabilitätsfaktor eine wesentliche Rolle in der Krisenbewältigung gespielt und darf durch staatliche Eingriffe nicht benachteiligt werden.
In der abschließenden Podiums- und Publikumsdiskussion wurden die zum Teil gegensätzlichen Standpunkte unter der bewährten Moderation RAin Regina Wenninger noch heftig diskutiert und durch Ausführungen von Dr. Klaus Alois Hein, Abteilungsleiter „Beratung Milch Ware Dienstleistung“ beim Genossenschaftsverband Bayern, sowie Dr. Heiner Nicolussi-Leck, Obmann des Raiffeisenverbandes Südtirol, ergänzt.

Die alljährlich über die Tagung erscheinende Broschüre in der Genossenschaftlichen Schriftenreihe (Band 15) ist derzeit in Ausarbeitung.

Dir. Mag. Arnulf Perkounigg

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